Jenseits von Gut und Böse

       
     
     
 
   
   
   
 
 

spirituelle Trance-Arbeit

 
   
  Das große Bild  
  der Halt in der Ideologie
 
 

 

 
 
 

Zitat aus

www.zitate-aphorismen.de

"Denn an sich ist nichts weder gut noch böse; das Denken macht es erst dazu." William Shakespeare


Gut und Böse sind Attribute, die zur Bewertung führen und somit eine Orientierung geben. Das Denken steuert diese Zuschreibung und diese Funktion wirkt für den Menschen als Mechansimus der Stabilisierung.
Das Denken stabilisiert den Geist des Menschen, das Denken ist verantwortlich dafür, dass der Mensch sich bewusst wahrnehmen kann. Das Denken ist das Werkzeug des Bewusstseins. Bewusstsein weiß um das Sein, aber ist dem Sein immer einen Moment nachgeordnet. Vielleicht ist deshalb das meditative „Nicht-denken“ so ungeheuer schwer zu machen. Im „Nicht-denken“, also im puren Sein, ist auch die Zuordnung zu gut und böse nicht mehr das Thema.

Die Zuordnung im Feld des Unbewusstseins wirkt als Mechanismus des Schutzes und der Stabilität. Eine innere Zuordnung des Denkens hin zu gut oder Böse ermöglicht die menschliche Orientierung, das Leben überhaupt leben zu können. Der Mensch musste in seiner Entwicklung das Wissen entwickeln, welche Pflanzen essbar sind, und welche Pflanzen bei Genuss tödlich sind, welches Tier gefährlich, welches nicht gefährlich ist. Dieses Wissen wurde an die nächste Generation weiter gegeben.
Aus dieser ontogenetischen Notwendigkeit des Überlebens ist das nicht reflektierte Denken auf diese Sortierung hin ausgerichtet. Und so wie es für das Leben förderlich ist, zu wissen, was gut zu essen und böse zu essen ist, so sortiert der Geist des Menschen die Dinge um sich herum nach gut und böse. Der Mensch erreicht dadurch eine innere Stabilität.

Wie kann aber der Einzelne über die Bewusstheit, über die Reflektion seines Daseins in diesen Mechanismus verändernd eingreifen ? Wie funktioniert die Transzendenz, dieses Jenseits von Gut und Böse, die Überwindung der Dualität ?

Die Einteilung in Gut und Böse wirkt in den Feldern des Bewusstseins als moralische Instanz und sorgt hier für innere Stabilität. Gibt man diese innere Zuordnung über eine Bewusstheit mehr und mehr auf, dann wird der Menschen mit innerer Instabilität konfrontiert. In Zeiten, in denen die Absicherung des Lebens zum Lebensinhalt des westlichen Menschen wird, ist Instabilität wahrlich nicht wünschenswert, dabei ermöglicht erst das Wagnis der Instabilität die innere Unabhängigkeit, die den Menschen befreit.

Es ist das Feld des „Nicht-wissens“ welches sich als Urgrund des Daseins zeigt. „Ich weiss es nicht.“ Dieses Feld kann jenseits der Dualität bestehen, es kann das Nichts und das Alles in sich aufnehmen, das Vertrauen und das Misstrauen, die menschliche Liebe und den menschlichen Hass.
„Je mehr ich weiss, desto mehr weiss ich, dass ich nichts weiss.“
Es fordert Achtsamkeit, immer wieder das Feld des Nichtwissens als Ausgangsposition und als Ruhepol des Denkens zu festigen. Der Stress der Moderne wirkt diesem Ziel heftigst entgegen.

 


Gedanken zu Gut und Böse für die Trance-Arbeit:

In der Trance-Arbeit ist dieses Thema dann eine Aufmerksamkeit wert, wenn es um die Wahrnehmung eines nicht-bekannten Feldes geht. Das Fremde wird auf der existentiellen Ebene zuerst als bedrohlich empfunden. Um die innere Stabilität zu erhalten, wird das Fremde einfach nicht wahrgenommen. Das unbekannte Feld bleibt zunächst unbewusst, bis aus diesem unbewussten Feld heraus sich auch eine Hantierung des Neuen (= und damit eine Zuordnung) entwickelt hat. - „Ich kann nur das wahrnehmen, was ich auch gedanklich hantieren kann.“

Funktioniert dieser Selbstschutzmechanismus nicht, dann kommt der Mensch in heftige Verwirrungen bis hin zu präpsychotischen Zuständen. Es sind diese Zeiten des Übergangs, - Stanislav und Christina Grof beschreiben sie als spirituelle Krisen - , die auftreten, wenn Wahrnehmungen und Erfahrungen den Menschen überfordern und diese stabilisierende Einordnung in Gut und Böse nicht mehr funktionieren.
Gleichzeitig bilden diese Zeiten die beste Voraussetzung eine Bewusstheit in dem Feld von Balance von Stabilität (ich weiss von gut und böse, ich denke in gut- und böse-Kategorien) und Destabilität (Ich weiss „es“ nicht, ich gebe diese Zuordnung zu gut und böse für den Moment auf) zu entwickeln. Diese Klarheit der Dualität des Daseins gibt die Möglichkeit, die Innere Freiheit und somit die Transzendenz zu fördern. Jenseits von Gut und Böse zu „sein“ ist einfach gesagt, es wirklich aus dem Inneren zu wissen, ist innere Arbeit.

Ohne eine Krisensituation zu initiieren, muss der Weg in ein unbekanntes Feld durch Wiederholungen gegangen werden. Spirituelle Krisen stürzen den Menschen abrupt in das „Fremde Feld“, Krisen sind mit großem Chaos verbunden. Will man den Sturz vermeiden, so muss der Prozess langsam vorangehen. Es braucht dann Wiederholungen, bis unser Gehirn neue Verknüpfungen des neurologischen Netzes aufbauen kann. Trance-Arbeit, die sich langsam in einem Prozess bewegt, hat hierbei sortierende Wirkung.

Eine Geschichte über die Wahrnehmung von „dem Fremden“, dem „Nicht-Einzuordnenden“:
„Es gibt die Geschichte von Kolumbus, als er im 16.Jhd. Irgendwo in der Karibik (oder war es Pacific ?) in der Nähe von Inseln ankerte.
Die Inseln waren bewohnt von Ureinwohnern. Und es heißt, dass diese Ureinwohner die Schiffe von Kolumbus, die da am Horizont lagen, gar nicht sehen konnten, weil nichts in ihrer bisherigen Erfahrung auch nur dem Eindruck ähnelte, den diese Schiffe machten.
Und weiter heißt es: nur der Schamane, dessen ureigenste Aufgabe es ist, in fremde Gebiete zu reisen, nur der Schamane erkannte wohl, dass sich dort draußen am Horizont das Wasser ganz anders kräuselte.
Und daraufhin schloss er, da muss „etwas fremdes“ im Gange sein. Er entschied, jeden Tag zum Strand zu gehen, und diese anderen Wellen zu beobachten.
Es dauerte, vielleicht 3 Wochen (?), und endlich, er sah die Schiffe.
Dann rief er seine Stammesmitglieder und zeigte ihnen die Schiffe.
Und erst dann konnten alle anderen die Schiffe sehen, weil sie dem Schamanen glaubten, dass dort Schiffe sind. „
Nacherzählt aus dem Film: „Bleep, Down the rabbit hole“,

Die Unsicherheit in Bezug auf die wahrgenommene Wirklichkeit kann für den Menschen nicht aufgehoben werden. Bleibt diese Erkenntnis im Unbewussten, muss trotzdem die eigene Wahrnehmung der Realität immer wieder mit der Realität des Anderen abgeglichen werden. Der Inhalt der meisten sozialen Gespräche geht darüber:
„Findest du nicht auch, dass der Rasen da drüben grün ist.“
Und:
„Findest du es gut, dass dieser Rasen da drüben grün ist.“
So banal diese Gespräche scheinen, sie haben den Sinn, die wahrgenommene Realität durch den anderen verifizieren zu lassen. Denn diese Resonanz bildet für die Menschen den gemeinsamen Boden, auf dem das soziale Leben stattfindet.

In der Bewegung hin zur Transzendenz, zur Überwindung der Dualität, verlässt man den gemeinsamen Boden, und erst in dieser Bewegung liegt auch die Fähigkeit, die Zuordnung zu gut und böse loszulassen. Diese innere Freiheit ermöglicht, auf eigenem Boden zu leben und zugewandt dem nächsten im Nicht-Wissen zu begegnen.

Nur dieses Feld des Nicht-Wissens kann als Liebe bezeichnet werden, nur hier ist es möglich, die Dualität zu überwinden. Allein aus dieser Inneren Freiheit heraus wird der Begriff der Liebe nicht zum inhaltlosen Bild.