Wer gegen den Strom schwimmt

       
     
     
 
   
   
   
 
 

spirituelle Trance-Arbeit

 
   
  Das große Bild  
  der Halt in der Ideologie
 
 

 

 

Wer gegen den Strom schwimmt, erfährt die Kraft des Flusses.

Was bedeutet es, dass der Mensch nicht der Individualist ist, für den er sich hält, sondern im Gegenteil, hauptsächlich seiner Gruppe bedarf ? Die Kraft eines Flusses soll als Bild die Kraft einer Gruppe verdeutlichen. Inmitten dieses Flusses zu schwimmen, „sich mittragen lassen“, in dieser Kraft lebt der Mensch, und dadurch wird sie ihm selbst nicht bewusst.

Wie der Fisch im Wasser, dem man ein Glas Wasser anbietet, ist der Mensch verwirrt, wenn er sich um die Erfahrung dieser Kraft bemüht und versucht, sie zu erkennen.
Wird der Fisch aus dem Wasser genommen, wird die Erfahrung und die existentielle Notwendigkeit dieses Wassers für den Fisch absolut deutlich. Er wird in purer Not um das Glas Wasser hoffen, da er diese Erfahrung - ohne Wasser - nicht lange überleben kann.
Der Mensch ist psychisch in einer großen Abhängigkeit gegenüber der Kraft der Gruppe. Diese Kraft ist direkt verbunden mit der vitalen Lebenskraft, denn: auf archaischem Urgrund weiß der Mensch, dass er ohne Gruppe nicht überleben wird. Seit Jahrtausenden ist er auf die Gruppe angewiesen, und würde sie ohne Not nicht verlassen. Es ist unser vitalstes Bedürfnis, an der Kraft einer Gruppe teilhaben zu können. Es ist eine „vitale Kraft“.

Solange der Mensch im Fluss des Lebens ist, ob freundlich getragen oder gestresst mitgezogen, hat der Mensch nicht die Position des Beobachters. Man müsste den eigenen Fluss verlassen können, um ihn wirklich zu sehen.
Allein, das ist im Grunde die Position des Todes.
Man kann den Fluss also nicht verlassen. (siehe Text: das große Bild).

 

Alle überlieferten Initiations-Rituale haben die Gemeinsamkeit, den Initianten in die Abgeschiedenheit zu versetzen. Hierdurch erfuhr dieser die existentielle Einsamkeit, er konnte an ihr wachsen und kam verändert zurück in die Gemeinschaft. Anders als der Fisch ohne Wasser kann ein Mensch die existentielle Einsamkeit (ohne Gruppe) tragen, solange er sich um seine körperliche Versorgung kümmern kann.

Der Initiant dieser archaischen Rituale wurde durch den Verlust seiner Gruppe mit seiner Existenzangst konfrontiert - die lebenswichtige Gruppe war nicht mehr. Die Überwindung dieser existentiellen Angst führte zur Veränderung, zur Transformation und der Initiant fand dadurch den Weg zum Wissen und zur Weisheit, den neuen Lebensabschnitt zu bewältigen.

Die Kraft der Gruppe wurde also erfahrbar durch das Zuwenig, durch ihre Nicht-Anwesenheit. Diese Rituale der vollkommenen Abgeschiedenheit existieren nicht mehr, über diese Rituale gibt es heute hier im Westen kein Wissen mehr.

Wie im Zuwenig, kann diese Kraft im Zuviel erfahren werden, und wie im Zuwenig kommt es im Zuviel immer wieder zu transformierenden Erfahrungen mit diesen Kräften: das Erlebnis von Menschenmassen, die sich gemeinsam zu einem Ziel hin bewegen. In heiligen Prozessionen sind diese Kräfte anwesend, sie bedeuten für das Individuum oft eine ganz persönliche Erfahrung einer nicht zuzuordnenden Kraft, die Gott genannt wird. Durch die gemeinsame Andacht wird ein Feld aufgebaut, das für den Einzelnen durch die Mächtigkeit erfahrbar wird. Es wirkt überwältigend.

In unserer Moderne wird das Fussballstadion zur Kathedrale, in der die Begeisterungsstürme den Einzelnen mitreißen. Diese Faszination bewirkt, dass Tausende zu diesen Veranstaltungen pilgern. Der Einzelne identifiziert sich mit der Kraft der Masse, zu der er sich zugehörig fühlt. Allein die Dimension des Spirituellen ist im profanen Fussball-Ritual nicht enthalten.

 

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Die wichtigste Gruppe für den Einzelnen ist die Familie, an die der Einzelne gebunden ist. Wie stark diese Kraft ist, zeigt sich in der inneren Struktur. Traditionen, und Verhaltenskodex, „dies tut man, dies tut man nicht“, es sind vor allem die eigenen, meist jedoch unbewussten Mechanismen, an denen erkennbar ist, wie viel Freiheit und Beweglichkeit innerhalb des "eigenen" Fluss des Lebens möglich ist, oder wie viel Zwang, wie stark die Strömung ist, die den Einzelnen immer wieder wegreißt in die Anpassung hinein.

Ist diese Anpassung durch die Erziehung erfolgreich an das Individuum weitergegeben, so hat der Mensch gute Chancen, auch erfolgreich innerhalb seines Berufslebens zu werden. Die Individualität wird angepasst erlebt. Mensch wird dazu. Das Denken bewegt sich in den vorgeformten Arealen der Tradition. Individualität und Gesetze der Gruppe sind dann deckungsgleich. Der Fluss des Lebens läuft gleichförmig hin bis zur Mündung. So trägt sich die Spezies Mensch, gibt die Kultur an die nachfolgende Generation.


 
 

Der Konflikt zwischen der Kraft zur Individualisierung und der Kraft zur Anpassung an die Gruppe (the group in the mind) zeigt sich Symbolhaft in den Träumen. Hier ist die Reparatur-Werkstatt der Psyche, in der das Unbewusste versucht, die Wogen zu glätten. Wenn der eigene Fluss des Lebens schon zu lange durch andauernde Stromschnellen keine Pausen, keine Nischen mehr zulässt und die Option gegen den Strom zuschwimmen allein wegen der Kraft der Stromschnellen gar keine Möglichkeit mehr ist. Gerät die Balance zwischen der Kraft des Flusses und der Anpassungsfähigkeit des Individuums aus dem Gleichgewicht, entsteht Krankheit, die den Menschen zu einer Veränderungshandlung zwingt.

 

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In der Trance-Arbeit kann der Mensch eine innere Freiheit erfahren, denn es zeigt sich, dass der Geist nicht den gleichen Gesetzen wie die Materie unterworfen ist. Diese Erfahrung offenbart sich dem Reisenden in unterschiedlichsten Bildern. Wenn die innere Tür sich öffnet, kann über die Erkundung innerer Welten gegenüber dem alltäglichen Fluss seines Lebens eine Distanz geschaffen werden und im Schutz eines Rituals entstehen neue Perspektiven. Trance-Arbeit stärkt durch das Ritual den Einzelnen, die Kraft der Gruppe wird im Ritual eingegrenzt. Durch die Unterstützung der Vereinzelung ist Trance-Arbeit ein Weg, auf dem innerhalb von traditionellem Wissen neue Erkenntnisse für den Einzenlnen entstehen.